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Data Governance · Erklärt

Stammdatenmanagement für mittelständische Unternehmen in Luxemburg: wo man anfängt

MDM heißt: eine verlässliche, verantwortete Version von Kunden-, Lieferanten-, Produkt- und Gesellschaftsdaten. Umfang, Warnsignale und erste Schritte.

Das Wichtigste

  • Stammdaten sind die gemeinsam genutzten Daten über die Kernobjekte eines Unternehmens: Kunden, Lieferanten, Produkte, Materialien, Mitarbeitende, Standorte und Gesellschaften.
  • Für luxemburgische Geschäftspartner zählen vor allem die RCS-Nummer bei Luxembourg Business Registers, die USt-IdNr. mit dem Präfix LU, die sich im EU-System VIES prüfen lässt, und gegebenenfalls der 20-stellige LEI nach ISO 17442.
  • Artikel 5 Absatz 1 Buchstabe d DSGVO verlangt, dass personenbezogene Daten, also auch Kunden- und Kontaktstammdaten, sachlich richtig und erforderlichenfalls auf dem neuesten Stand sind.
  • Üblicherweise werden vier MDM-Implementierungsstile unterschieden: Registry, Konsolidierung, Koexistenz und zentralisiert; ein Mittelständler muss selten mit dem aufwendigsten beginnen.
  • Governance vor Werkzeug: Ohne benannte Verantwortliche und abgestimmte Definitionen reproduziert eine MDM-Plattform die bestehenden Widersprüche nur schneller.

Für ein mittelständisches Unternehmen in Luxemburg bedeutet Stammdatenmanagement (Master Data Management, MDM), festzulegen, wer für die gemeinsam genutzten Daten zu Kunden, Lieferanten, Produkten und Gesellschaften verantwortlich ist, und davon eine verlässliche Version über ERP, CRM und Finanzsysteme hinweg zu pflegen. Nach der EU-Definition in der Empfehlung 2003/361/EG beschäftigt ein mittleres Unternehmen weniger als 250 Personen: meist zu klein für ein großes MDM-Programm, aber groß genug, um unter Dubletten und widersprüchlichen Datensätzen zu leiden. Der pragmatische Weg beginnt mit Governance für ein oder zwei Domänen; Software kommt erst dazu, wenn sie gebraucht wird.

Was zu den Stammdaten zählt

Das DAMA-DMBOK unterscheidet Stammdaten, also die Kernobjekte, die an Transaktionen beteiligt sind, von Bewegungsdaten (Aufträge, Rechnungen, Zahlungen) und von Referenzdaten (Codelisten wie Länder, Währungen oder Statuswerte). Stammdaten ändern sich seltener als Transaktionen, aber jede Transaktion hängt von ihnen ab.

Domäne Typischer Inhalt Luxemburg-spezifische Merkmale
Kunde Name, Rechtsform, Adressen, Kontakte, Zahlungsbedingungen RCS-Nummer und LU-USt-IdNr. bei Geschäftskunden
Lieferant Name, Bankverbindung, Adressen, Verträge RCS-Nummer, LU-USt-IdNr., gegebenenfalls LEI
Produkt oder Dienstleistung Nummern, Beschreibungen, Einheiten, Preise, Steuerkategorie Umsatzsteuerliche Behandlung
Material Spezifikationen, Mengeneinheiten, Lager- und Sicherheitsmerkmale Je nach Branche
Gesellschaft Konzerngesellschaften, Niederlassungen, Beteiligungen RCS-Nummer, LEI, USt-IdNr.
Mitarbeitende und Standorte Organisationseinheiten, Standorte, Kostenstellen Personenbezogene Daten nach DSGVO

Kennungen, die in Luxemburg zählen

  • RCS-Nummer. Das Handels- und Firmenregister (Registre de commerce et des sociétés) wird von Luxembourg Business Registers (LBR) geführt; Veröffentlichungen erscheinen auf der Plattform RESA. Satzungsänderungen sind innerhalb eines Monats zu hinterlegen, registrierte Angaben ändern sich also und sollten regelmäßig geprüft werden.
  • USt-IdNr. Eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer in der EU beginnt mit dem Ländercode, für Luxemburg LU, und lässt sich im VIES-System der Europäischen Kommission auf Gültigkeit prüfen.
  • LEI. Der Legal Entity Identifier ist ein eindeutiger 20-stelliger alphanumerischer Code nach ISO 17442, verwaltet von der Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF). Er enthält Angaben zu „wer ist wer“ und „wem gehört wer“ und muss jährlich erneuert werden.

Im Bankensektor fordern die BCBS-239-Grundsätze des Basler Ausschusses vom Januar 2013 ausdrücklich einheitliche Kennungen und Namenskonventionen für Rechtsträger, Gegenparteien, Kunden und Konten (Randziffer 33).

Symptome schlechter Stammdaten

Die Anzeichen sind meist sichtbar, lange bevor jemand das Wort „Stammdaten“ benutzt:

  • derselbe Kunde oder Lieferant existiert mehrfach, unter leicht abweichenden Namen;
  • Rechnungen und Mahnungen gehen an veraltete Adressen;
  • USt-IdNr. fehlen, sind veraltet oder ungültig;
  • Vertrieb, Finanzen und Operations kommen auf unterschiedliche Kunden- oder Produktzahlen;
  • der Monatsabschluss hängt an manuellen Abstimmungen in Tabellenkalkulationen;
  • niemand kann sagen, welches System die richtige Version eines Datensatzes führt.

Bei Kunden- und Kontaktdaten ist das auch eine Compliance-Frage: Artikel 5 Absatz 1 Buchstabe d DSGVO verlangt, dass personenbezogene Daten sachlich richtig und erforderlichenfalls auf dem neuesten Stand sind.

Governance vor Werkzeug

Ein teurer Fehler ist der Kauf einer Plattform, bevor geklärt ist, wer entscheidet. Ein MDM-Werkzeug kann Datensätze abgleichen, zusammenführen und verteilen, aber es kann nicht entscheiden, ob ein ruhendes Konto noch ein Kunde ist oder welche Abteilung neue Lieferanten anlegen darf. Das sind Governance-Fragen:

  1. Verantwortung. Ein fachlich verantwortlicher Data Owner pro Domäne, unterstützt von einem Data Steward für die tägliche Pflege (siehe Data Owner, Data Steward, Data Custodian).
  2. Definitionen. Eine kurze, abgestimmte Definition jedes Objekts und seiner kritischen Attribute.
  3. Anlage- und Änderungsprozess. Wer darf einen Stammsatz anlegen oder ändern, mit welchen Pflichtfeldern und Prüfungen.
  4. Qualitätsregeln. Messbare Regeln wie „jeder Geschäftskunde hat eine gültige USt-IdNr.“.

Implementierungsstile

Üblicherweise werden vier Implementierungsstile beschrieben. Sie unterscheiden sich darin, wo Stammdaten erfasst werden und ob der Hub in die Quellsysteme zurückschreibt.

Stil Wo erfasst wird Rückschreiben in Quellen? Passt, wenn …
Registry In den Quellsystemen Nein; der Hub hält Querverweise und Kennungen Viele Systeme, wenig Bereitschaft zu Veränderungen
Konsolidierung In den Quellsystemen Nein; der Hub bildet einen Golden Record für das Reporting Hauptbedarf ist konsistentes Reporting
Koexistenz Im Hub und in den Quellen Ja, synchronisiert Mehrere operative Systeme brauchen saubere, gemeinsame Datensätze
Zentralisiert (Transaktion) Im Hub als führendes System Ja; der Hub verteilt an abonnierende Systeme Starke zentrale Kontrolle über die Anlage von Kunden, Lieferanten oder Produkten

Registry und Konsolidierung sind günstiger und schneller; Koexistenz und zentralisierter Stil bieten mehr Kontrolle, verlangen aber mehr Integration und Prozessänderung. Ein Unternehmen mit nur einem ERP kann ein „zentralisiertes“ Ergebnis unter Umständen innerhalb dieses ERP erreichen, indem es Anlagerechte beschränkt und Prüfungen erzwingt, ganz ohne separaten Hub.

So fängt man an

  1. Eine Domäne mit sichtbarem Leidensdruck wählen, meist Kunden oder Lieferanten.
  2. Owner und Steward für diese Domäne benennen.
  3. Die Daten profilieren: Dubletten, fehlende Kennungen und ungültige USt-IdNr. zählen, damit der Ausgangspunkt gemessen ist.
  4. Definitionen und Anlageprozess vereinbaren, einschließlich der Prüfung von RCS, USt-IdNr. und LEI gegen amtliche Quellen.
  5. Den Bestand bereinigen und die Qualitätsregeln regelmäßig überwachen.
  6. Erst dann über Software entscheiden und den einfachsten Implementierungsstil wählen, der das Problem löst.

Wird externe Hilfe nötig, um den Ansatz auf eine zweite oder dritte Domäne auszuweiten, sollte eine Begleitung von Stammdatenprogrammen Governance und Umsetzung gleichermaßen abdecken, nicht nur die Software.

Was jetzt zu tun ist

  • Auflisten, in welchen Systemen heute Kunden-, Lieferanten- und Produktstammsätze angelegt werden.
  • Eine Stichprobe von Lieferantenstammsätzen prüfen: gültige LU-USt-IdNr. in VIES und aktuelle RCS-Angaben.
  • Für die Domäne mit dem meisten Nacharbeitsaufwand einen Owner und einen Steward benennen.
  • Drei bis fünf messbare Qualitätsregeln aufschreiben und monatlich darüber berichten.
  • Jede Plattformentscheidung zurückstellen, bis Verantwortlichkeiten, Definitionen und Anlageprozess vereinbart sind.

Fragen & Antworten

Was ist der Unterschied zwischen Stammdaten und Bewegungsdaten?

Stammdaten beschreiben die an Geschäftsvorfällen beteiligten Objekte, etwa einen Kunden oder ein Produkt. Bewegungsdaten halten die Vorfälle selbst fest, etwa einen Auftrag oder eine Rechnung, und ergeben nur mit Stammdaten einen Sinn.

Braucht ein Mittelständler eine MDM-Software?

Zu Beginn nicht unbedingt. Man kann mit klaren Verantwortlichkeiten, Definitionen und Qualitätsregeln im bestehenden ERP oder CRM starten und einen eigenen Hub einführen, sobald mehrere Systeme dieselben Datensätze teilen müssen.

Welche Kennungen gehören in einen luxemburgischen Lieferanten- oder Kundenstammsatz?

Bei einer luxemburgischen Gesellschaft in der Regel die RCS-Nummer, die USt-IdNr. mit dem Präfix LU und bei Unternehmen, die an den Finanzmärkten aktiv sind, der LEI. Jede Kennung sollte gegen ihre amtliche Quelle geprüft und nicht frei eingetippt werden.

Was ist ein Golden Record?

Ein Golden Record ist die konsolidierte, verlässliche Version eines Objekts, die durch Abgleich und Zusammenführung von Datensätzen aus mehreren Systemen entsteht. Berichte und Prozesse sollten sich auf ihn stützen.

Mit welchem MDM-Stil fängt man am einfachsten an?

Registry und Konsolidierung sind in der Regel am schnellsten und am wenigsten invasiv, weil sie die Quellsysteme unverändert lassen. Koexistenz und zentralisierter Stil bieten mehr Kontrolle, erfordern aber mehr Integration und Prozessänderungen.

Quellen

  1. Verordnung (EU) 2016/679 (Datenschutz-Grundverordnung), Artikel 5 Absatz 1 Buchstabe d · EUR-Lex
  2. Empfehlung 2003/361/EG betreffend die Definition der Kleinstunternehmen sowie der kleinen und mittleren Unternehmen · EUR-Lex
  3. Business registration and filings with the RCS · Guichet.lu
  4. VAT identification numbers · Europäische Kommission
  5. Introducing the Legal Entity Identifier (LEI) · GLEIF
  6. Principles for effective risk data aggregation and risk reporting (BCBS 239) · Basler Ausschuss für Bankenaufsicht
  7. DAMA-DMBOK: Data Management Body of Knowledge · DAMA International
  8. Master vs reference data (DAMA-DMBOK-Lernleitfaden) · Open Exam Prep
  9. 4 common master data management implementation styles · Stibo Systems

Geschrieben und anhand von Primärquellen geprüft.